GYMNASIUM

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homburg01Klassenfahrt 6a und 6e –

14.-16.06.2010, Homburg

„Da! Das ist unser Bus, oder?“ Aufgeregt zeigte ich auf den Reisebus, der gerade in die Einfahrt des Hugo-Ball-Gymnasiums einbog und vor der Gruppe von Schülern hielt, die bereits ihre sieben Sachen zusammensuchten und sich dicht nebeneinander drängten, um den besten Platz zu ergattern.

Ich wartete, bis alle anderen ihre Koffer verstaut und eingestiegen waren, dann suchte auch ich mir einen Sitzplatz. Gähnend ließ ich mich neben Katrin nieder und warf einen Blick nach draußen. Langsam setzten wir uns in Bewegung. Rings um mich wurde wild gestikuliert und laut geredet und diskutiert, während ich schweigend dahockte und mal hier, mal da hinhörte.

Die Fahrt zum Römermuseum kam mir länger vor, als sie eigentlich war. Neugierig schob ich mich zwischen meine Freunde und durchlief den Barockgarten, fotografierte so ziemlich jeden Winkel der Anlage und stöhnte auf, als eine Frau in einem schmucklosen, weißen Römerkittel und eben solche in die Hand drückte, denn das würde nun mal dazugehören. Nun gut. Wenigstens war ich nicht die einzige, die sich wie ein Kartoffelsack fühlte.

Nach einer Führung durch das wiederaufgebaute Römerdorf wurde uns Posca angeboten, ein auf den ersten Blick harmlos aussehendes „Erfrischungsgetränk“. Nur handelte es sich dabei um pures Essigwasser. Hm, lecker. Ich bekam den widerlichen Geschmack einfach nicht aus dem Mund, egal, wie viel Traubensaft und Wasser ich nachschüttete. Nachdem wir unsere eigenen Lederbeutel hergestellt und einiges über die Geschichte von Schwarzenacker erfahren hatten, durften wir unser (natürlich römisches) Mittagessen selbst zubereiten.

Die Römer damals taten mir echt leid, denn allein dieser Gurkensalat mit Pfefferminze, Honig, Fischsoße und römischem Maggi war, nun ja – gewöhnungsbedürftig. Und der Rest des Menüs ebenfalls.

Endlich in der Jugendherberge angekommen, wieder in unserer gewohnten Kleidung, wollten wir selbstverständlich unbedingt unsere Zimmer sehen, und die machten auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Zwar stellten wir einige kleinere Mängel fest, alles in allem konnte man sich jedoch nicht beschweren.

Als Nächstes stand eine Wanderung auf den Schlossberg auf dem Programm. Wanderung, ha, das traf es nicht ganz. Eher Treppenlaufen. Also liefen wir die siebentausendachthundertneunundvierzig Stufen (nein, ich habe nicht nachgezählt) hinauf und anschließend wieder hinunter. Toll. Ich betete, morgen noch meine Beine zu spüren, aber die Chancen standen eher schlecht.

Nun, endlich, hatten wir eine Stunde „Ausgehzeit“. Auf dem Weg zur Herberge hatten wir uns bereits einige Geschäfte eingeprägt, die wir später auf jeden Fall besuchen wollten, und das taten wir auch. Leider rann uns in die Zeit durch die Finger wie heißer Sand. Am Ende schafften wir es schweißgebadet, aber rechtzeitig wieder zu unseren Lehrern. Meine Freundinnen hatten mehrere Teile gekauft, ich ging mal wieder leer aus.

Erschöpft und überrollt von den Ereignissen des Tages fielen wir in unsere Betten und wollten eigentlich schlafen. Wäre da nicht eine meiner Zimmergenossinnen, die alle fünf Sekunden das Licht an-und ausschaltete und wegen der stickigen Luft im Raum nicht einschlafen konnte. Irgendwann ließ sie es bleiben und binnen weniger Minuten war ich weggedämmert.

„Anna, aufstehen!“ Grummel, grummel. Häh? Redete da jemand? Oh, ja. Charlotte. Hm, was sie wohl wollte?

„Es ist halb sieben!“ Halb sieben. Juhu.

Genervt setzte ich mich auf und knallte – rums! – mit dem Kopf gegen das Brett des Hochbettes direkt vor meiner Nase. Na, da hatte ich ja mal ein schönes Brett vorm Kopf, ha, ha.

Heute stand das Action Camp an. Noch ahnte keiner von uns, dass uns ein erneuter Aufstieg der Schlosstreppen bevorstand.

Zunächst wurde uns das Lesen des Kompasses erklärt. Fragend schaute ich in die Runde. „Ähm…so, gell?“

„Ja, Anna. Richtig so.“ Puh. Nach gefühlten fünf Stunden hatte ich dann sogar alles Wichtige kapiert und es konnte losgehen.

Unsere Route kam mir von Anfang an verdächtig bekannt vor. Doch als ich in der Ferne die erste Treppenstufe erkennen konnte, kam alles wieder hoch. Oh nein, dachte ich völlig verzweifelt. Action Camp hin oder her, das war definitiv nicht witzig.

Also, siebentausendachthundertneunundvierzig Stufen und etliche Seufzer später erreichten wir unser Lager mitten im Wald. Okay, ich bin gerne in der Natur. Ja, ich freute mich mehr oder weniger auf Bogenschießen, Hüttenbauen und Klettern. Nein, ich hatte nicht mit einer Invasion von angriffslustigen saarländischen Stechmücken gerechnet.

Sie lauerten uns auf und warteten auf den passenden Moment. Ein Picks, ein Autsch, und Mjam, da floss das geschmackvolle Blut. Dachten diese gefräßigen Viecher überhaupt mal an ihre armen Opfer? Wohl kaum, die kurze Lebenszeit reichte ja grade so zum Saufen und Fortpflanzen.

Jedenfalls bereitete mir das Bogenschießen die größten Schwierigkeiten. Wahllos schoss ich in der Gegend herum und gefährdete somit meine Mitmenschen erheblich. Alle Achtung, Anna schießt – und trifft nicht! Ein einziges Mal gelang es mir, den 50-er Kreis zu erwischen. Dummerweise ein Probeschuss. Argh! Hmpf.

Das Bauen einer Baracke (oh, sorry, einer Hütte) machte mir am meisten Spaß, beim Klettern kam ich zuerst schnell voran und blieb dann im unteren Drittel hängen.

In der Herberge wurde derweil gegrillt. Nach den misslungenen aufgewärmten Hühnchen und vor Fett triefenden, labbrigen Kartoffeln eine sehr willkommende Abwechslung, die ich dankend annahm. Zwei Würste, Berge voll Salat, Senf, Ketchup und Wassermelone entschädigten für den letzten Abend und stimmten mich wieder zufrieden.

Der Spieleabend verlief sehr ruhig (vielleicht zu ruhig für eine Klassenfahrt), danach liefen wir gemeinsam zum Stadtpark, um den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen. Einige von uns gingen baden (einer landete eher unfreiwillig im kühlen Nass, zur Freude der anderen), Claudia und ich setzten uns daneben und sahen dem munteren Treiben zu.

Auf unseren Zimmern wurde noch bis kurz vor Nachtruhe gequatscht und gegessen (es lässt sich nicht leugnen). Mitten in der Nacht riss mich Frau Hohlwegs Stimme aus dem Schlaf. Katrin ging es nicht gut, sie zitterte am ganzen Körper. Glücklicherweise beruhigte sich die Lage und ich konnte weiterschlafen.

Da wir unsere Betten abziehen mussten, fing ich mir eine mittlere Gehirnerschütterung ein (zehn Kopfstöße, mindestens) und war heilfroh, keine Nacht länger im Hochbett nächtigen zu müssen.

Kröhnender Abschluss unserer Fahrt war ohne Zweifel das Prähistorium Gondwana. Es lockte mit täuschend echt aussehenden Dinos und spannenden Einblicken in die verschiedenen Zeitalter und hielt, was es versprach. Wir wurden nass gespritzt, fast von einem T-Rex aufgefressen und erlebten einen kurzen Film in 4-D, wir wurden totgetrampelt und jeder suchte sich sein ganz persönliches „Fossil“.

Um kurz nach eins traten wir dann die Heimreise an. Obwohl mir die Klassenfahrt wirklich sehr gut gefallen hatte, war ich doch erleichtert, wieder Zuhause zu sein. Denn dort ist es doch immer noch am schönsten.

Anna Victoria Zoe Geller, Klasse 6 a