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Humangenetischer Vortrag für die Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe

Die Studienreferendarin Frau Birgit Neubauer hatte sich seit dem Ende der Weihnachtsferien mit den Schülerinnen und Schülern ihres katholischen Religionskurses der 12. Jahrgangsstufe mit Ethik und ethischen Problemen beschäftigt. Damit auch eine Stimme aus der Praxis einfließen konnte, lud sie in Absprache mit den Fachlehrerinnen und Fachlehrern der Fächer Ethik, evangelischer und katholischer Religion Prof. Dr. Wolfram Henn vom Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes in Homburg zu einem Vortrag mit Aussprache in den Musiksaal des Hugo-Ball-Gymnasiums ein.

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Oberstudiendirektor Gerhard Rieder bei der Begrüßung von Prof. Dr. Wolfram Henn

In seinem ausgewogenen Vortrag ging Prof. Dr. Wolfram Henn auf folgende Fragenkomplexe ein:

  • In welchem Rahmen bewegen sich Humangenetiker?
  • Was wollen wir von Humangenetikern über uns selbst wissen?
  • Wie viel sollen andere Menschen von unserem genetischen Zustand wissen?
  • Was wollen wir über den genetischen Zustand unserer Nachkommen wissen?

Das Genomprojekt, bei dem die Informationen der menschlichen Gene entschlüsselt werden sollen, erfordert von den Humangenetikern einen Aufwand, der weit über den hinausgeht, der für die Vorbereitung und die Durchführung der ersten Mondlandung gewesen ist. Das hängt damit zusammen, dass nicht jede Information jeweils einem einzelnen Gen zugeordnet werden kann.

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Einige Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe mit Fachlehrerinnen und Fachlehrern für Ethik, evangelische und katholische Religion.

 

Auf den menschlichen Chromosomen gibt es ca. 30.000 Gene aufgereiht. In diesen 30.000 Genen sind etwa 3.500.000.000 Informationen gespeichert. D.h., dass Gene mehrere Informationen speichern müssen bzw. manche Informationen unseres genetischen Codes erst durch das Zusammenspiel mehrerer Gene zustande kommen. Bei den 3.500.000.000 gespeicherten Informationen kann eine einzige fehlerhafte Information z.B. auch eine schwere Erkrankung des betreffenden Menschen auslösen.

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Prof. Dr. Wolfram Henn vom Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes in Homburg während seines Vortrages.
Eine fehlerhafte Information KANN eine schwere Erkrankung des betreffenden Menschen auslösen. Es kann aber ebenso sein, dass diese Krankheit bei diesem Menschen trotz dieser fehlerhaften Information NIE ausbricht.

 

Und genau hier treten Fragen auf:

  • Will ich mich in jungen Jahren mit dem Wissen belasten, dass ich z.B. in der Lebensmitte oder im Alter ein erhöhtes Krebsrisiko habe und eine entsprechende Vorsorge die negativen Folgen der Krebserkrankung senken kann?
  • Wie ist es aber, wenn ein potentieller Arbeitgeber ein genetisches Profil verlangt und so ein Bewerber oder eine Bewerberin wegen eines erhöhten Erkrankungsrisikos abgelehnt wird, obwohl es sein kann, dass die potentielle Krankheit nie ausbricht?
  • Wird die Gesellschaft dann in die Gruppe derer geteilt, die ein gutes Genprofil haben und deshalb auch eine Kranken- oder eine Lebensversicherung abschließen können, und in die Gruppe derer, die gerade wegen eines erhöhten Risikos von den Versicherungen abgelehnt werden?
  • Und wie gehen z.B. die Rentenversicherungen mit Menschen um, die nicht nur kein erkennbares Erkrankungsrisiko haben, sondern vielleicht auch noch das "Methusalemgen" besitzen, dessen Trägerinnen und Träger überdurchschnittlich alt werden können?
  • Und wie gehen Eltern damit um, wenn sie während der Schwangerschaft erfahren, dass das Kind unter einer Krankheit oder unter einer Behinderung leiden wird? Welche Krankheiten und welche Behinderungen werden die werdenden Eltern als nicht mehr "akzeptabel" empfinden?
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    Oberstudiendirektor Gerhard Rieder und Fachlehrerinnen für evangelische und katholische Religion und Biologie während der Pause im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfram Henn
  • Welche während der Schwangerschaft diagnostizierten Krankheiten und Behinderungen werden die Krankenkassen und die bei ihnen versicherten Menschen "akzeptieren", bevor vorab der Versicherungsschutz verweigert wird?
  • Darf Gendiagnostik so weit gehen, Geschlecht und Augenfarbe eines Kindes auszusuchen?

Der Vortrag von Professor Henn war begleitet von intensiven Zwischenfragen und einer engagierten Diskussion.

Buchtipp:
Prof. Dr. Wolfram Henn, Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht arm dran sind, Herder-Verlag, Freiburg, broschiert, März 2004