GYMNASIUM

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Schülerinnen und Schüler des Hugo-Ball-Gymnasiums Pirmasens können im Alten- und Pflegeheim Bethanien ein sozial-diakonisch-caritatives Praktikum absolvieren.

Jedes Jahr arbeiten die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe in den Wohneinheiten mit. Sie reichen den Bewohnerinnen und Bewohnern Essen und Getränke, singen mit ihnen, gehen mit ihnen spazieren und nehmen an den angebotenen Aktivitäten des Hauses Bethanien teil.

Und warum führen wir das sozial-diakonisch-caritatives Praktikum durch? Und aus welchem Grund unterstützt das Alten- und Pflegeheim Bethanien diese Initiative des Hugo-Ball-Gymnasiums Pirmasens?

Gründe gibt es bestimmt viele. Einige sollen hier aufgezählt werden:

So ist dieses Praktikum ....

  • sozial, d.h. es soll der Gemeinschaft dienen:

    Es soll sensibel dafür machen, dass Schulen nur ein Bereich unserer sozialen Gemeinschaft, des Staates sind; dass wir alle Glieder einer Gemeinschaft sind, deren Mitglieder füreinander verantwortlich sind.So führt die Öffnung der Schule dazu, dass Schülerinnen und Schüler Erfahrungen in einem Bereich machen können, der ihnen im normalen Schulalltag nur als Lernstoff entgegentritt: z.B. im Sozialkundeunterricht als Bevölkerungspyramide, als Bevölkerungsentwicklung damals und heute, als Generationenvertrag, als Sozialversicherungspflicht, als Gemeinwohl- und Solidaritätsprinzip, als Familienstruktur und Wohnumwelt damals und heute.

    So kann bei den Auswertungsgesprächen das theoretische "Skelett" mit "Fleisch" umgeben werden, indem soziale und politische Fragen im Umfeld ihres Auftretens erörtert werden.

    Zudem besteht bei vielen Jugendlichen ein familiäres Interesse, das durch die Frage ausgelöst ist, wie Pflege in der eigenen Familie geregelt ist oder geregelt wird, ob und unter welchen Umständen guten Gewissens auch eine Heimpflege in die Überlegungen einbezogen werden kann bzw. was es für die Familie bedeutet, wenn die Vollpflege eines Familienangehörigen zu Hause geleistet wird.

    Es kann Jugendlichen, die später in der Pflege, in der Behindertenpädagogik, in der Medizin oder in anderen Heilberufen tätig werden wollen, dazu dienen, sich in der sozialen Arbeit mit Menschen als Vorbereitung auf die spätere Berufswahl zu erproben. Sollten sie während des sozial-diakonisch-caritativen Praktikums in der 10. Jahrgangsstufe die Erfahrung machen, dass sie sich in diesem Arbeitsbereich wohl fühlen, können sie beim Betriebspraktikum, das am Hugo-Ball-Gymnasium in der 11. Jahrgangsstufe verpflichtend durchgeführt wird, ihr Engagement vertiefen. Sollten sie während des sozial-diakonisch-caritativen Praktikums in der 10. Jahrgangsstufe die Erfahrung machen, dass ihnen dieser Arbeitsbereich nicht entspricht, können sie sich beim Betriebspraktikum in der 11. Jahrgangsstufe in einem anderen Bereich erproben.

  • diakonisch (den Dienst betreffend)

  • caritativ (die Liebe und die Barmherzigkeit betreffend)

    Der diakonisch-caritative Aspekt des Praktikums macht sensibel dafür, dass nicht nur unser demokratisches Gemeinwesen zur Übernahme von sozialem Engagement, von Solidarität und zur Übernahme von Verantwortung aufruft, sondern dass auch der christliche Glaube den Einsatz für andere Menschen einfordert:

    Mt 25: Vom Weltgericht: ".... Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan."

    Mt 6: Vom Almosengeben

    Lk 10: Der barmherzige Samariter: "... So geh hin und tue desgleichen."

    1. Kor. 13: "... Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

    1. Petrus 4,10: "Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes."

    Dieser sozialen, diakonischen und caritativen Verantwortung entspricht die Schulgemeinschaft des Hugo-Ball-Gymnasiums nicht nur durch dieses Praktikum. Die Schulgemeinschaft sammelt z.B. seit vielen Jahren gebrauchte Briefmarken für das Diakoniezentrum Bethel und Weinflaschenkorken für das Diakoniezentrum Kork bei Kehl.

  • kommunikativ und persönlichkeitsbildend:

    Betagte, hochbetagte und höchstbetagte Menschen sowie Jugendliche und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen miteinander ins Gespräch
    • über die jeweilige Lebensumwelt (z.B. warum sind die Zimmer, das Bad, die Türklinken usw. so, wie sie sind und warum ist es zu Hause so ganz anders?)
    • über die jeweiligen Zuschreibungen der Gesellschaft den betagten, hochbetagten und höchstbetagten Menschen, aber auch den Jugendlichen gegenüber
    • Wie wirken sich politische und gesellschaftliche Entscheidungen auf das Leben von betagten, hochbetagten und höchstbetagten Menschen aus?

    Jugendliche dürfen die Erfahrung machen, dass das, was sie über ihr intellektuelles Können hinaus wissen, wichtig ist und gebraucht wird. Dazu gehört es auch, Lob in Bereichen zu erfahren, die nichts mit Zensuren zu tun haben. Und die Bewohnerinnen und Bewohner dürfen die Erfahrung machen, dass von "draußen" junge Menschen kommen, die nicht mit ihnen verwandt sind und die trotzdem Interesse daran haben, einen Teil ihrer Zeit mit ihnen zu teilen. Bewohnerinnen und Bewohner und Jugendliche dürfen die Erfahrung machen, dass der gegenseitige Respekt dort wachsen kann, wo man sich gegenseitig darauf einlässt, den anderen kennen lernen zu wollen (trotz der Falten im Gesicht des einen Menschen und dem Piercing in der Zunge des anderen Menschen).

    Im Gespräch können die Bewohnerinnen und Bewohner und die Jugendlichen entdecken, wie sehr politische und gesellschaftliche Ereignisse die Biographie von Menschen und die Sinnstruktur des jeweiligen Lebens prägen (Kohorteneffekt) und welche Auswirkungen die jeweilige Sinnstruktur auf eine gelingende Jugend, ein gelingendes Leben und ein gelingendes Altern hat.

  • Praxisbezug von Gelerntem:

    Die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassenstufe haben bei der Matinee, zu der die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Bethanien in die Kapelle "Maria und Marta" eingeladen sind, die Möglichkeit, im Musik- und im Deutschunterricht Gelerntes darzubieten und so im Bereich ihrer Möglichkeiten die Erfahrung zu machen, etwas zu leisten, etwas zum sozialen Engagement beitragen zu können.

    Mehrere Schülerinnen engagieren sich noch im Nachhinein für die Bewohner im Alten- und Pflegeheim, indem sie Pinnwände gestalteten.

Einige Tätigkeiten der Schüler:

  • Das obligatorische Rollstuhltraining vermittelt dabei ein Gefühl dafür, wie ausgeliefert der Gefahrene ist, wie leicht ein Rollstuhl kippen kann und wie schwer es ist, sich im Rollstuhl vom Fleck zu bewegen. Ebenso steht die Teilnahme am Gedächtnistraining, an der Andacht, am Sitztanz und an der Matinee, die von zwei fünften Klassen gestaltet wird, auf dem Programm.

  • Da die Schülerinnen und Schüler zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, schloss sich an das gemeinsame Mittagessen in der Cafeteria des Hauses Bethanien jeweils ein auswertender Teil an.