Der Besuch der alten DameRache macht nicht glücklich.Theater-AG des Hugo-Ball-Gymnasiums zeigt Dürrenmatts Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame" in voll besetzter Festhalle.
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Von unserer Mitarbeiterin Welche Auswirkungen Gefühle wie Rache oder Gier haben können, darum geht es in dem Theaterstück „Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Die Theater-AG des Pirmasenser Hugo-Ball-Gymnasiums, unter der Regie von Anicka Eckhardt und Sascha Staab, führte die Tragikomödie am Mittwochabend in der voll besetzten Festhalle auf. Die kleine Stadt Güllen erwartet Besuch: Eine ehemalige Bewohnerin, Claire Zachanassian, inzwischen Multi-Millionärin, hat sich angesagt. Man hofft auf die Unterstützung der schwerreichen Frau, um die Stadt, die sich - ebenso wie ihre Bürger - in desolater Lage befindet, aus dem finanziellen Tief zu holen. Einer, der den Besuch Zachanassians mit gemischten Gefühlen erwartet, ist Alfred Ill. Er hat Claire, damals noch Klara genannt, in jungen Jahren schwanger sitzen gelassen und um den Vaterschafts-Prozess zu gewinnen, sogar falsche Zeugen gedungen, die behaupteten, ebenfalls ein Verhältnis mit der jungen Frau gehabt zu haben. Die Wahrheit glaubte ihr keiner, und so verließ sie unter Schimpf und Schande ihren Heimatort. Jahrzehnte später zurückgekehrt, dürstet ihr Herz nach Rache. Sie ersinnt einen teuflischen Plan: Wenn die Bürger von Güllen (oder einer von ihnen) Alfred Ill umbringen, erhält die Stadt eine Milliarde, von der die Hälfte an die einzelnen Bürger aufgeteilt werden soll. Der Bürgermeister, souverän in einer Hosenrolle besetzt mit Jana Klug, lehnt dies zunächst entschieden ab. Auch die Bürger scheinen nicht wirklich angetan zu sein. Nach und nach bricht sich aber die Gier nach Reichtum Bahn: Ill, der einen Krämerladen betreibt, muss feststellen, dass seine Kunden immer mehr über ihre Verhältnisse leben. Nicht nur lassen sie Nobel-Zigaretten und Cognac bei ihm anschreiben, sondern beginnen ihre Häuser zu renovieren oder kaufen sich teure Autos - ganz so als erwarteten sie in Kürze einen größeren Geldbetrag. Albert Ill, als sympathischer Schwächling sensibel besetzt mit Dominik Lang, wird es immer mulmiger zumute. Erst recht, als auch seine Frau und Kinder beginnen, sich mit Statussymbolen und Luxusgütern auszustatten. Es kommt, wie es kommen muss: Die Güllener beseitigen den Mann, der zwischen ihnen und ihrem Reichtum steht. Claire Zachanassian hat gewonnen, einen glücklichen Eindruck macht sie aber nicht. „Der Besuch der alten Dame" ist für ein Schultheater wirklich keine leichte Kost. Umso bewundernswerter, dass sich die Ball-Schüler daran gewagt haben. Vor minimalistischer Kulisse - Dias ersetzten die Kulissenbilder - ließen die Schüler die Stadt Güllen und ihre Bürger auferstehen. Besonders deutlich trat dabei der Zwiespalt zwischen der Loyalität zu einem ihrer Mitbürger und der Lust auf Macht und Konsum zu Tage. Von jedem der Darsteller wurde diese Gefühlslage anders interpretiert. Wirklich köstlich, da mit unterschwelliger Komik ausgefüllt, spielte Lukas Jungknecht die Rolle des vergeistigten Lehrers. Luisa Fath hatte aber mit der Rolle der „Alten Dame" die größte Herausforderung angenommen, stellte die Schülerin doch eine Frau um die 70 dar. Gelang es ihr vielleicht auch nicht ganz, das Alter ihrer Rolle nachzuempfinden, so verkörperte sie doch treffend deren Egozentrik und Überspanntheit. Aufgelockert wird das Stück mit dem eigentlich traurigen Inhalt durch komödiantische Charaktere wie die Eunuchen Koby und Loby (Sarah Stucky und Julia Mayer), die immer wieder zum Lachen anregten. BRANDSP Quelle:Verlag: DIE RHEINPFALZ |